Verfasst von: larsunterwegs | 23. Mai 2011

Neuigkeiten im Monat Mai

Buenas,

Lars mit Panamahut

Ich mit Panamahut

viele Grüße aus Panama. Ich freue mich, dass es immer wieder etwas Neues zu berichten gibt und möchte euch daran auch teilhaben lassen. Wie in den anderen Blogeinträgen, hier eine kurze Übersicht über das Geschehene und Geplante: letztes Wochenende war ich mit Freunden auf einem traditionellen Festival; in meiner Schule geht der Alltag weiter, versuche jetzt aber nachhaltige Dinge einzubringen; in meiner Gastfamilie fühle ich mich weiterhin wohl und bin froh, Zeit mit ihnen zu verbringen; Thema Studium: meine Bewerbung in den Niederlanden ist abgeschickt.

Kirche in Santiago

Kirche in Santiago

Also, letztes Wochenende bin ich mit einer traditionellen Tanzgruppe zuerst nach Dolega und dann weiter nach Santiago gefahren (das Erste ist ein Dorf, das Zweite eine Stadt). Dort gab es Präsentationen folklorischer Tänze der verschiedenen Regionen Panamas, traditionelles Essen und viel Musik. Ich habe mir in diesem Zuge nun endlichen einen Panama-Hut gekauft. Auch dort gibt es Unterschiede, aber ich habe den traditionellen Hut entschieden.

In meiner Schule arbeite ich weiterhin unter der Woche und habe meinen festen Stundenplan mit Englisch- und Computerunterricht, sowie Sport mit Schülern aus dem Kindergarten bis zur sechsten Klasse.

Plan mit Aktivitäten

Plan mit Aktivitäten

Außerdem führe ich meine Nachmittagsaktivitäten in einem festen Rahmen weiter. So gibt es weiterführenden Computerunterricht, einen Lesetreff, Sprachunterricht und einmal in der Woche eine Kinovorstellung. Im Computerunterricht habe ich versucht, die Kinder systematisch an Computer heran zu führen. So habe ich mich ihnen über die Bestandteile eines Computers unterhalten, mit ihnen grundsätzliche Konzepte vermittelt und eine Einführung ins Internet gegeben. Diesen Donnerstag haben wir dann für jeden Schüler ein E-Mail-Konto eingerichtet (auch in Hinblick auf Kontakthalten), sodass die Schüler mit E-Mails vertraut wurden.
Der Lesetreff ist Teil meiner kleinen Bücherei in der Schule. Ich habe vor langer Zeit angefangen Kinderbücher zu organisieren und führe bereits mehr als 30 Titel. Diese Bücher verleihe ich an interessierte Schüler, sodass sie zu Hause lesen können. Der Lesetreff ist dann eine Möglichkeit, sich über die Bücher zu unterhalten und Interesse an weiteren Bücher zu wecken. Die Büchersammlung werde ich vor meiner Abreise einer Lehrerin mit der Aufgabe übergeben, den Bücherverleih weiterzuführen.
Freitags hat nun mein Sprachunterricht den ehemaligen Englischunterricht ersetzt. Ich habe mich schwer damit getan meine Englischgruppe aufzulösen, bin mir aber sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Mir hatte es nicht gefallen, dass einige Schüler durch die Teilnahme an dem besonderen Angebot sich von den übrigen Schülern absetzten – ich aber keine neuen Schüler durch den Leistungsunterschied aufnehmen konnte. So biete ich in meinem Sprachunterricht einen Crashkurs in verschiedenen Sprachen an. So gestaltete ich bereits eine Einführung in Deutsch und bald wird eine Einheit Französisch folgen. Weiterhin möchte ich Muttersprachler weiterer Sprachen einladen, einen Nachmittag für die Kinder zu gestalten (hier habe ich einen besonderen Blick auf Mandarin und die Sprache des einheimischen Ngäbere-Buglé Volks).
An einem Tag in der Woche biete ich nachmittags einen Kinofilm an. Dabei habe ich bereits Tarzan, Das Jungelbuch, Peter Pan, Madagaskar, Toy Story, Winnie Pooh, Aladin, Arielle und Findet Nemo mit ihnen geschaut. Ich bin auf die Idee gekommen, weil mir bewusst wurde, dass es so viele schöne Kinderfilme gibt, von denen die Kinder hier nichts wissen. So haben sie nachmittags etwas zu tun und lernen Kindergeschichten kennen, auch wenn sie noch nicht lesen können oder nicht die nötige Konzentration für Bücher aufbringen können.

Arbeitsgruppe am Nachmittag

Arbeitsgruppe am Nachmittag

Darüber hinaus habe ich mir Gedanken zu weiteren Projekten gemacht, die im nächsten Jahr weitergeführt werden können, denn voraussichtlich wird kein neuer weltwärts-Freiwilliger in meiner Schule arbeiten. Dabei freue ich mich über Anregungen und Ideen. Ich überlege eine Patenschaft für einige Kinder zu übernehmen, sodass ich diese Kinder aus Deutschland heraus weiterhin unterstützen kann. Außerdem bin ich auf der Suche nach Eltern in dem Dorf (es gibt hier viele gebildete Menschen, worin ich das Problem sehe ist die Initiative und da wäre die Direktorin stärker gefragt), die Interesse daran haben, Aktivitäten zu gestalten. So wäre externe Unterstützung nicht mehr gebraucht und die Kinder könnten weiterhin verschieden Dinge lernen.

Meine Gastfamilie ist weiterhin das, was ich mir ursprünglich unter Gastfamilie vorgestellt habe. Es gibt ein Familienleben und man ist untereinander interessiert. So verbringe ich den Großteil meiner Freizeit mit meinen Gasteltern und

Frau mit Pollera

Frau mit Pollera

Gastgeschwistern und habe bereits viele Verwandte und Bekannte kennen gelernt. Mein Gastvater nimmt mich zum Hahnenkampf mit, mit meiner Gastmutter verbringe ich viel Zeit im Haus, meiner Gastschwester bringe ich verschiedene Sachen bei und spiele oft mit meinem 2jährigen Gastbruder. Die Familie betreibt Landwirtschaft und hat so ein gutes Auskommen.

Zum Thema Landwirtschaft: Wer meint, es gäbe hier wenig Geld, irrt sich. Hier gibt es sehr viel Geld – nur verteilt sich dieses auf wenige Familien. Als ich einmal über mögliche Parallelen mit Deutschland nachdachte, drängte sich mir ein Vergleich mit der Industrialisierung und der Sozialen Frage auf: es gibt eine große, schlecht bezahlte Arbeiterschicht, die unter schweren körperlichen Anstrengungen und Gefahren arbeiten; es gibt einige sehr reiche Familien, die größtenteils die Acker geerbt haben; es gibt soziale Barrieren zwischen den Schichten; es bilden sich Gewerkschaften. Ich denke mit diesem Bild kann man sich einiges hier besser vorstellen.

Ich zusammen mit Willem mit Panamahüten

Ich zusammen mit Willem mit Panamahüten

So lebe ich hier zwischen zwei Welten in meiner Gastfamilie und meinem Projekt, welches Probleme, aber auch Vorteile mit sich bringt.

Zum Studium gibt es folgendes zu sagen: Ich habe mich nun in den Niederlanden in Groningen für International Relations & International Organisations beworben. Für diesen Studiengang werden die Plätze durch das Los verteilt, sodass ich mir diese Möglichkeit als Plan B halten möchte, wenn ich in Deutschland nicht einen der gewünschten Studienplätze bekommen sollte.

Ich wünsche euch allen in Deutschland eine schöne Zeit und in weniger als zwei Monaten werde ich wieder zu Hause sein.

Lars


Antworten

  1. … die werden Dich VERMISSEN !
    Mann, was Du alles organisiert bekommst!
    Dass Du so großen Wert auf Nachhaltigkeit legst
    und Nachfolgerschaft organisierst, ist eine prima Sache!
    Eigentlich wünsche ich Dir und der Welt, dass eher Dein Plan B funktioniert …
    aber es kommt natürlich darauf an, was alles Besonderes im Plan A drin steckt…
    wie dem auch sei, Du bist nach dieser Zeit dort ein internationaler Mensch,
    egal wo Du lebst und studierst!
    Mögen Deine Wege zwischen den Nationen und Kulturen, hin zu den Menschen und mit den Menschen, wo auch immer, immer gesegnet sein!


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